Vielleicht ist es eine Platte, von der Sie noch nie gehört haben. Oder Sie haben sie in Ihrer Sammlung, haben sie aber schon lange nicht mehr gespielt. Sie wurde 1987 veröffentlicht. Wenn Sie sie nicht haben oder nicht finden können, machen Sie sich keine Sorgen: Es gibt über 500 auf Discogs.
Ich spreche von Jennifer Warnes’ LP “Famous Blue Raincoat”. Eine wunderschöne Platte in mehr als einer Hinsicht. Erstens ist sie wunderschön aufgenommen, absolute Spitzenqualität. Die LP-Version ist etwas wärmer und ‘lebendiger’ als die digitalen Versionen. Es ist jedes Mal eine Freude, sie abzuspielen.
Dann die Titel. Alle diese Lieder wurden von Leonard Cohen geschrieben. Ich bewundere seine Arbeit und viele seiner späteren Auftritte sind beeindruckend, bewegend. Aber ich liebe die Interpretationen von Jennifer Warnes auf dieser Platte. Sie singt voller Gefühl und Hingabe. Das ist nicht verwunderlich, denn sie hat bei einigen von Cohens eigenen Aufnahmen als Backgroundsängerin mitgewirkt, kennt ihn und seine Lieder also gut.
Ich werde ein paar Songs nennen. “First We Take Manhattan” spiegelt den Optimismus der siebziger und frühen achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts für eine bessere Welt wider. Diese Hoffnung begann jedoch bereits 1986, als der Song geschrieben wurde, rapide zu schwinden, so dass er ironisch, ja sogar ein wenig zynisch klingt. Aber der Text ist witzig.
“Famous Blue Raincoat” handelt von einer Dreierbeziehung ohne jeden Vorwurf. Im Gegenteil: Die Ich-Person ist der dritten Person in der Beziehung dankbar dafür, dass sie seiner Freundin wieder auf die Beine hilft.
Dann “Joan Of Arc”. Für mich ist dies das Meisterwerk auf dieser Platte. Es ist wunderschön, es ist verwirrend, es ist tief bewegend. Und Cohen schließt sich hier Warnes in einem Duett an. Man erzählt sich, dass Cohen, als er erfuhr, dass Warnes dieses Album aufnahm, ein wenig unruhig wurde und ins Studio ging, um selbst zu sehen, wie es läuft. Und schloss sich Warnes in diesem einen Song an. Er übernimmt die Rolle des Feuers auf dem Scheiterhaufen, das Jeanne d’Arcs Schicksal, aber auch ihre Bestimmung sein soll.
Eine bezaubernde Platte. Ein Must-Have.
Peter van Willenswaard

